Die Kasse zeigt eine Fehlermeldung, die Kollegin im Laden ruft an, und ein paar Minuten später schaut jemand aus der Ferne auf ihren Bildschirm und klickt das Problem weg. So läuft IT-Support in vielen kleinen Betrieben. Das Programm, das dafür auf dem Rechner läuft, bemerkt kaum jemand. Dabei sieht es alles, was auf diesem Rechner passiert.
RustDesk ist so ein Programm, eine quelloffene Alternative zu TeamViewer und AnyDesk. Die Grundversion kostet nichts, und die Verbindungen lassen sich über einen eigenen Server leiten, sodass keine Daten über fremde Rechenzentren laufen müssen. Am 25. September 2026 ist Version 1.5.0 erschienen. Die offizielle Liste der Änderungen ist bisher leer, deshalb haben wir uns die gut 250 Änderungen seit der Vorgängerversion 1.4.9 selbst angesehen.
Noch eine Vorabversion
Wichtig vorweg: RustDesk führt 1.5.0 auf GitHub als Vorabversion. Die aktuelle stabile Version ist weiterhin 1.4.9 vom Juli. Für die Rechner, mit denen Sie jeden Tag arbeiten, würden wir deshalb noch warten. Wer neugierig ist, kann die neue Version auf ein oder zwei Geräten ausprobieren, am besten nicht ausgerechnet auf dem Kassenrechner.
Mehr Schutz vor fremden Zugriffen
Die meisten Änderungen betreffen die Sicherheit. Ein Rechner mit RustDesk nimmt jetzt nur noch eine begrenzte Zahl von Verbindungen an, die sich noch nicht angemeldet haben, höchstens 64 insgesamt und 16 von derselben Adresse. Jede davon hat außerdem nur wenig Zeit, sich anzumelden. Wer einen Rechner mit Verbindungsversuchen überhäufen will, stößt damit deutlich früher an eine Grenze.
Auch das Einmalpasswort verhält sich anders. Das ist die Zeichenfolge, die Sie am Telefon durchgeben, damit jemand auf Ihren Rechner kommt. Bisher blieb es gültig, bis die Sitzung beendet war, bei einer langen Fernwartung also unter Umständen stundenlang. Ab 1.5.0 wird es erneuert, sobald die Verbindung zugelassen ist. Wer das Passwort zufällig mitgehört oder auf einem Zettel gesehen hat, kann damit dann nichts mehr anfangen.
Neu ist außerdem eine Liste erlaubter RustDesk-IDs. Bisher ließ sich der Zugang nur auf bestimmte IP-Adressen beschränken, was bei wechselnden Internetanschlüssen wenig hilft. Jetzt können Sie festlegen, dass nur bestimmte Gegenstellen überhaupt eine Verbindung aufbauen dürfen, zum Beispiel nur die Rechner Ihres IT-Dienstleisters. Dazu kommen ein überarbeiteter Schlüsselaustausch beim Verbindungsaufbau und viele kleinere Prüfungen, etwa bei Inhalten aus der Zwischenablage oder bei übertragenen Dateien. Wie Fernzugriffe in ein durchdachtes Schutzkonzept passen, lesen Sie auf unserer Seite zum IT-Sicherheitskonzept.
Direkte Verbindungen klappen öfter
Sitzen zwei Rechner hinter unterschiedlichen Routern, versucht RustDesk, sie direkt miteinander zu verbinden. Klappt das nicht, läuft alles über einen Vermittlungsserver. Das funktioniert, ist aber oft spürbar langsamer. Version 1.5.0 probiert zusätzlich WebRTC aus, die Technik, mit der auch viele Videokonferenzen im Browser laufen. Damit kommt öfter eine direkte Verbindung zustande, auch in Netzen, in denen das bisher nicht ging. Können die Gegenstelle oder der Server das noch nicht, läuft alles wie gewohnt.
Kleinere Verbesserungen im Alltag
Wer schon einmal einen Windows-Rechner mit HDR-Bildschirm aus der Ferne betreut hat, kennt das blasse, überbelichtete Bild. Das ist behoben. Auf dem Mac kann sich RustDesk jetzt im Hintergrund selbst aktualisieren, ohne nach einem Passwort zu fragen, sofern automatische Updates in den Einstellungen erlaubt sind. Die Android-App kommt mit weniger Berechtigungen aus und verlangt keinen Zugriff mehr auf sämtliche Dateien des Telefons. Bei der Dateiübertragung sehen Sie jetzt, wie schnell es gerade geht, und große Ordner laden zügiger.
Für Linux gibt es ein eigenes Paket, mit dem RustDesk auch unter Wayland ohne Bestätigungsdialog auf den Bildschirm zugreifen kann, sogar schon am Anmeldebildschirm. Das ist vor allem für Rechner interessant, die unbeaufsichtigt gewartet werden.
Wer Sitzungen aufzeichnet, kann den Aufnahmeknopf jetzt ausblenden und für den Windows-Dienst einen eigenen Speicherort festlegen. Ob und wie Sie Fernwartungen aufzeichnen dürfen, sollten Sie allerdings vorher datenschutzrechtlich klären und mit Ihrem Team besprechen.
Mit jeder Version veröffentlicht RustDesk jetzt außerdem eine Stückliste der verwendeten Softwarebausteine. Das ist eine Vorbereitung auf den Cyber Resilience Act der EU, der Softwareherstellern solche Angaben in den nächsten Jahren abverlangt. Für Sie als Anwender ändert sich dadurch erst einmal nichts.
Was Sie jetzt tun sollten
Schauen Sie zuerst nach, welche Version bei Ihnen läuft. Das steht in RustDesk in den Einstellungen unter „Über“. Ist es eine ältere Version als 1.4.9, lohnt sich das Update auf 1.4.9 schon jetzt. Auf 1.5.0 würden wir umsteigen, sobald RustDesk sie als stabile Version freigibt. Sprechen Sie das Update vorher mit Ihrem IT-Dienstleister ab, damit auf beiden Seiten eine passende Version läuft.
Wenn Sie einen eigenen RustDesk-Server betreiben, gehört der mit auf die Liste. Neue Funktionen wie die direkten Verbindungen über WebRTC brauchen teilweise auch auf dem Server eine aktuelle Version. Wie ein eigener RustDesk-Server aufgebaut ist und worauf es im Betrieb ankommt, lesen Sie in unserem Leitfaden RustDesk im Unternehmen.
Sie wissen gar nicht genau, womit bei Ihnen aus der Ferne geholfen wird, oder überlegen, von einem anderen Programm zu wechseln? Rufen Sie uns an unter 0361 34949224. Wir schauen gemeinsam, was bei Ihnen läuft und was sich lohnt.